Nationalparks Gesäuse, Kalkalpen & Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal setzen sich für die Bestandsstützung von Luchsen ein
In den österreichischen Alpen gibt es derzeit kein Luchsvorkommen mit regelmäßiger Reproduktion. Obwohl der Luchs als heimische Tierart seit Jahrzehnten gezielt geschützt wird, zeigt die aktuelle Entwicklung dringenden Handlungsbedarf: Derzeit leben nur sieben Luchse in der Region, deren Alter und enge Verwandtschaft ein Fortbestehen der Population massiv gefährden. Seit 2018 wurde keine Reproduktion mehr dokumentiert. Fachleute sind sich einig: Ohne gezielte Maßnahmen wird das Luchsvorkommen in den nächsten Jahren verschwinden.
Um ein Überleben des Luchses langfristig zu sichern, soll in den nördlichen Kalkalpen eine selbsterhaltende Population entstehen, die durch Einwanderung einzelner Tiere aus benachbarten Vorkommen stabilisiert wird.
Die Voraussetzungen dafür sind sehr günstig:
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass einzelne isolierte Auswilderungsprojekte langfristig nicht erfolgreich sind. Aus diesem Grund hat sich die europäische Plattform „Linking Lynx“ gebildet, die sich erfolgreich darum bemüht, ausreichend Tiere zur Verfügung zu stellen und in Mitteleuropa ein Mosaik von kleinen Luchsbeständen zu etablieren, zwischen denen ein genetischer Austausch möglich ist. Nur in internationaler Zusammenarbeit kann eine langfristig selbständige Luchspopulation in den Alpen wiederhergestellt werden. Erfolgreiche Projekte in unseren Nachbarstaaten, von Slowenien, Italien, Schweiz, Deutschland bis Tschechien brauchen zur Absicherung ihrer Zukunft einen Trittstein in den nordöstlichen Kalkalpen, um einen genetischen Austausch großflächig zu ermöglichen. Die Bundesländer bemühen sich erfolgreich um die Etablierung ökologischer Korridore, also um mögliche Wanderwege zwischen den jeweils guten Habitaten. Diese Korridore sind eine große Hilfe für den selbständigen genetischen Austausch vieler Tierarten. Es wäre schade, diese Korridore nicht auch Luchsen zur Verfügung zu stellen.
Aus diesem Grund kommt einer Luchspopulation in den Kalkalpen eine außerordentliche, weit über regionale Belange hinausgehende, internationale Bedeutung zu. Es liegt an Österreich, mit einer Luchspopulation in den Kalkalpen nicht nur regional diesen Tieren ein Überleben zu ermöglichen, sondern als kompetenter Partner für einen grenzüberschreitenden Naturschutz im gemeinsamen Europa einzutreten.
Auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen wird die Freilassung von rund zwanzig genetisch nicht verwandten Individuen der Unterart Karpatenluchs (Lynx lynx carpathicus) vorgeschlagen. Die Tiere können sowohl aus Wildfängen als auch aus spezialisierten Zuchtprogrammen stammen. Diese Programme gewährleisten auch die mittelfristige Verfügbarkeit einer entsprechenden Anzahl von geeigneten Luchsen.
Die oben zitierte Habitatstudie zeigt, dass sich insbesondere das Gebiet rund um die Nationalparke Gesäuse und Kalkalpen, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal sowie die Quellenschutzwälder der Stadt Wien sehr gut eignen. Ausschlaggebend sind dafür die hohe Dichte an Schutzgebieten, die großflächigen, störungsarmen Lebensräume sowie die eingebetteten Flächen der Stadt Wien, der Österreichischen Bundesforste, die auch Partner im Projekt „Aktionsplan Luchs“ waren. Diese Fläche bildet aktuell auch den Kernbereich des derzeitigen Luchsvorkommens.
Als geeignete Projektzentren bieten sich der Nationalpark Kalkalpen, der Nationalpark Gesäuse sowie das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal an. Diese drei großflächigen Schutzgebiete liegen zentral im Projektgebiet und ermöglichen eine professionelle Durchführung der Bestandsstützung sowie ein fundiertes Monitoring.
Begleitend dazu sollen Luchsarbeitskreise mit Grundeigentümern und Grundeigentümerinnen, Jägerschaft, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft eine wichtige Plattform für Informationsaustausch und Interessensabgleich bilden.