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Was uns ausmacht im Nationalpark Gesäuse.

Was uns ausmacht


Endemische Juwele – Endemiten


Die „local heroes“ unserer Artenvielfalt

Endemiten gelten als wahre Kostbarkeiten der Pflanzen- und Tierwelt. Es handelt sich dabei um kleinräumig verbreitete Arten, die seit der letzten Eiszeit bei uns überleben konnten.

Die meisten bei uns vorkommenden endemischen Pflanzen sind Endemiten der Nordöstlichen Kalkalpen. Dazu zählen die Alpen-Nelke, der Nordöstliche Alpenmohn, die Österreichische Glockenblume und der Ennstaler Frauenmantel. Die Art mit dem kleinsten Verbreitungsgebiet und ihrem zentralen Vorkommen im Gesäuse ist die Zierliche Federnelke.

Zu den besonderen Tieren im Gesäuse gehört die Zylinder Felsenschnecke. Bei den Spinnentieren sticht vor allem das Nördliche Riesenauge, ein Weberknecht, hervor. Bei den Käfern wurde der Steirische Höhlenlaufkäfer 2016 nach 80 Jahren wiederentdeckt. Einige Arten wurden im Gesäuse sogar neu für die Wissenschaft beschrieben, unter ihnen ein Lokalendemit: Astrids Steinfliege.

Der Nationalpark Gesäuse ist mit einer Anzahl von aktuell nachgewiesenen 150 endemischen Tier- und 30 endemischen Pflanzenarten der Endemiten-Hotspot in Österreich. Also jener Ort, wo Endemiten in der höchsten Dichte auftreten!

Das Gesäuse scheint als Nationalpark ein sicherer Hafen für Endemiten zu sein. Dem ist aber nicht so. Die meisten endemischen Arten bei uns sind kälteangepasst und kommen nur in den höheren Lagen oder an besonders raren Standorten wie Höhlen oder einem Schluchtwald vor. Durch die zu beobachtende Klimaerwärmung ist ihre Zukunft nicht gesichert.

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Alpenmohn

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Clusiusprimel

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Zylinder-Felsenschnecke

Ennstaler Frauenmantel

Ennstaler Frauenmantel

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Zierliche Federnelke

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Glockenblume

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Nördliches Riesenauge

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Ostalpen-Nelke

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Zygina Hypermaculata

Prozesse


Ungestörte Entwicklung

Der Mensch hat den Drang, Unberechenbares und vermeintlich Unordentliches mit allen Mitteln zu regulieren. Seinlassen hat im Nationalpark allerdings nichts mit „zu Grunde gehen“, sondern viel mehr mit „Leben lassen“ zu tun. Es lohnt sich, ein wenig seinen Blickwinkel zu ändern und manches von einer anderen Perspektive zu betrachten:

Im Nationalpark Gesäuse werden natürliche Prozesse, wie Lawinen, Windwurf oder Hochwasser, zugelassen. Solche Naturgewalten sind für die Natur selbst keine Katastrophe – auch für den Nationalpark nicht. Die Wildnis im Nationalpark Gesäuse beherbergt eine einzigartige Vielfalt an Leben.

Auf ¾ der Fläche kann sich die Natur frei entwickeln:

  • Ein Wald wird alt, stirbt ab und wächst wieder neu.
  • Ein Fluss tritt über seine Ufer und gestaltet sein Umfeld um.
  • Eine Lawine schafft Struktur, Vielfalt und neue Lebensräume.

Die Aufgabe des Nationalpark Gesäuse dabei ist es, die natürlichen Prozesse walten zu lassen, sie zu erforschen und zu dokumentieren, um sie besser verstehen zu können.

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Lebensraum Wald

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Lebensraum Totholz

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Totholz lebt

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Lebensraum Lawine

Lawinenbahn 21-Haslinger

Lebensraum Lawine

Insektenoase


Eine Oase für Insekten

Der Nationalpark Gesäuse wird charakterisiert durch die naturnahen Lebensräume Wald, Wasser, Fels und Alm. Durch die Vielzahl der Lebensräume herrscht eine hohe Biodiversität, besonders bei den Insekten.

Beispiel Schmetterlinge: Die Vielfalt der Lebensräume und ihr weitgehend naturnaher Zustand führen zu der einzigartigen Fülle an Tag- und Nachtfaltern im Gebiet. Mehr als 1.230 Schmetterlingsarten wurden bisher im Gesäuse nachgewiesen. Zu diesen besonders bunten und leider oft auch sehr gefährdeten Arten zählen auch europaweit geschützte Arten, wie der Goldscheckenfalter, der Gelbringfalter, der Thymian-Ameisenbläuling oder auch die Spanische Flagge.

Im Lebensraum Wald finden sich u.a. auf Totholz spezialisierte Käfer. Diese sind im Nationalpark Gesäuse ein wesentlicher Indikator für unsere naturnahen Wälder. Darunter sind Insekten aus der Familie der Bockkäfer und Jagdkäfer. Vor allem ihre Larven entwickeln sich in abgestorbenem Holz und ernähren sich von der Zellulose.

Auch die Nationalparkalmen haben eine hohe Artenvielfalt vorzuweisen. Die Untersuchung der dort lebenden Wanzen, Zikaden, Spinnen und Heuschrecken brachte eine hohe Vielfalt gefährdeter Arten zutage. Durch die extensive, naturschutzgerechte Bewirtschaftung der Almen haben auch diese Insekten eine Überlebenschance.

Damit bietet der Nationalpark Gesäuse eine sichere Oase für (selten gewordene) Insekten und verzeichnet, im Gegensatz zum allgemeinen Trend, kein Insektensterben.

Buchdrucker

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Alpenbockkäfer

Alpenbock

Bombus mendax _ Johann Neumayer

Trughummel

Dickmaulrüssler

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